Dienstag, 1. Juli 2014

Erfahrungsbericht zum 12-Zoll MF-Dobson

Ich durfte bei einer Mitbeobachterin eine Nacht mit dem Gerät verbringen und bekam so einen ersten kurzen Eindruck von der Beobachtungstauglichkeit des 12" MF-Dobson, ebenso kurz soll auch meine Betrachtung ausfallen :)


Beim Aufbau war ich zweimal Zeuge und durfte einmal helfen. Dieser geht leicht und fix vonstatten, alle Verbindungen fügen sich schön zusammen und sind problemlos und ohne Werkzeug zu fixieren. Die Versteifung des Trusses per Drahtseilen/Spannern, die zunächst etwas befremdliches Augenbrauenlüften auslöst ist durchaus sinnvoll und auch weniger "im Weg" als man denken mag. Das Gesamtkonzept mag dadurch etwas unausgegoren wirken, hat aber durchaus seine Bewandtnis, da so die nötige Steife ins System gebracht wird, die man bei anderen, noch kompromissbehafteteren Konstrukten vermisst. Wir reden hier über ein REISEdobson das auch reisen soll, nicht über "federleichtbau Spielzeug" das zu Showzwecken oder als Machbarkeitsstudie zusammengeschossen wird. Da die Seile schnell eingehakt und gespannt sind entstehen hier keine großen Verzögerungen oder Potential für Ärgernisse, das Gestänge eines "Hofheim"  (der dann auch noch instabiler ist!) zusammenzuschrauben hält länger auf.

Die Justage des Fangspiegels
gestaltete sich etwas tricky, da ein Standard-Inbus zu kurz und ein Schraubendreher mit Wechselköpfen zu dick sind um hier ohne Verrenkungen zu Werke zu gehen. Es MUSS ein T-Griffdreher eingesetzt werden, der zwar womöglich in vielen Haushalten vorhanden ist, aber man muss es eben vorher wissen, sonst wird es schwierig. Einmal im Okukoffer ist das "Problem" dann aber vom Tisch. 

Der Hauptspiegel ist werkzeuglos von oben zu justieren, sehr sinnig nur über 2 bewegliche Stellschrauben und eine fix Verbindung, Irrtümer "wo drehe ich denn jetzt?" sind so auch von Einsteigerhänden kaum zu begehen.

Lastverteilung/Balance:
Fertig aufgebaut OHNE Streulichtblende neigt das Scope aus niedrigem Winkel (< 35° Höhe ) etwas zum steigen! Im konkreten Fall kein Problem, da alle eingesetzten Okulare schwer genug waren. (respektive leicht genug um es nicht ins nicken zu bringen) Getestet wurden:
24mm und 14mm ES 82°, 13.4mm und 7.2mm Speers Waler UWA und das 7.5-3.5mm AstroZoomWAN. Wie sich das Gerät allerdings verhält wenn man einen leichten Baader PushFix und ein 2,5mm Nagler oder ein einfaches Plössl  einsetzt....wäre interessant zu prüfen. Allzu leicht darf das optische Zubehör nicht sein.

Führung/Losbrechmoment:
NULL Klagen. Das MF-Dobson bewegt sich butterweich ohne "wegzulaufen", das heisst: Wird es losgelassen steht es auch endgültig. Beim Nachführen läuft alles ruckfrei und ich konnte alles sehr präzise einstellen. Zittern im Scope ist nur bei echtem Mutwillen zu generieren, allerdings habe ich das nur bis 7mm Okularbrennweite (= ~210-fach Vergrößerung ) geprüft.

Den werkseitig verbauten RIGEL Quickfinder mag ich persönlich ob des hundsmiserablen Einblicks nicht, hier würde ich noch etwas ändern, andere Benutzer wären vielleicht glücklicher damit. Bei mir käme ein anderer Pointer zum Einsatz.

Der Serien Helical OAZ ist der große Schwachpunkt des Geräts. Ohne Ringklemmung verkannten Okulare schnell und wer "Augenstücker" Wink mit extrem unterschiedlichen Fokallagen verwendet, der kurbelt sich schnell einen Wolf! An der Drehfokussierung selbst habe ich nichts zu meckern, der OAZ läuft satt genug und ist feinfühlig einstellbar. Befremdlich allerdings ist das Schmiermittel im Gewinde! Geruchsempfindliche Gemüter werden es störend wahrnehmen, viel schlimmer fand ich aber, daß man es an Hände und Okulare bekommt! Ohne ausgiebige Reinigung des demontierten OAZgewindes sollte hier nicht losgelegt werden,
ein Punkt an dem Herr Fitschen schon ab Werk nochmal prüfen sollte ob´s nicht anders geht.


MEIN Fazit: Tauglich! Aber man kann - wie bei allem - hier und da nochmal nachsetzen und Kleinigkeiten (!) ändern/verbessern. Alles in Allem aber ein echt taugliches Gerät, das ich ruhigen Gewissens empfehlen kann. Langzeittests vorbehaltlich.

Wer sollte es kaufen? Jemand, der auch MAL (!) damit fliegen will, denn es verpackt sich nicht soo klein und "leicht" geht anders, ABER: man baut ein "ausgewachsenes Teleskop" auf - kein Spielzeugdobson.

Wer nicht? Vielflieger, die ein Rucksackdobson auf einen Berggipfel stellen wollen! Denn das ist das MF 12" nicht. Eher ein platzsparendes, Rückenschonendes Heimdobs, das der holden Gattin beim Staubsaugen nicht im Weg stehen darf Wink
Aufgrund der steifen Konstruktion kann man das Gerät aber auch aufgebaut stehen lassen und -Körperkraft und "Bundeswehr Tauglichkeit 3" vorausgesetzt - auch in diesem Zustand transportieren. Der sehr zart gebauten Besitzerin wird es aber ein wenig zu schwer sein Truss+Box zusammen zu bewegen,
da hob ich schon leichter.

"Fazit des Fazits" BigGrin Kein Leichtbau, einfach ein gutes transportables Teleskop - wenn man sich über gewisse Details der Handhabung und den gewünschten Einsatzzweck im klaren ist und sich darauf einstellt.


EDIT: Einen Nachsatz habe ich doch noch: Warum, Herr Fitschen...WARUM in aller Welt haben sie die Höhenräder so klein konstruiert? Mussten Diese wirklich aufdeibelkommraus noch in die Kiste passen? Crying Es wäre am "Ende des Tages" wirklich egal wie man die Sicheln transportiert und es gäbe dem Gesamtsystem mit Sicherheit eine stabilere Balance. Wenn Sie MIR mal ein Teleskop bauen dürfen: Bitte mit Sicheln veritabler Größe - ich krieg die schon irgendwie in den Flieger oder ins Auto Wink Nur so ein Gedanke, vielleicht in "Serie Mk. II" ? 

Ein weiterer Erfahrungsbericht findet sich im Forenthema von Riann, wo diese Zeilen ebenfalls zu lesen sind.

Gruß und klaren Himmel

Jan

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen