Montag, 4. Januar 2010

Wasgibtsdenndazusehen ?

Auf etwa der Hälfte aller mir bekannten privaten Astroseiten gibt es mindestens einen Rechtfertigungs-Artikel des Betreibers. Offenbar sind Hobbyastronomen häufig von Menschen umgeben, die so gar kein Verständnis dafür haben, warum in aller Welt ein sonst vernünftig scheinender Zeitgenosse sich die Nächte draußen einsam in der Dunkelheit um die Ohren schlägt.
Schwärmerisch wird beschrieben, was den betreffenden (gefühlte 11 von 10 Hobbyastronomen sind männlich) nächtens unter den gestirnten Himmel treibt und wie meditativ und erdend, geradezu Lebens erhaltend die Erfahrung jedes mal wirkt.
Auf der Janetarium-Hauptseite möchte ich mir das schenken, aber hier kann man ja mal ein wenig Prosa in die Ewigkeit schicken...

Ich finde, die Frage nach dem WARUM würden sich viel weniger Menschen stellen, wenn sie nur wüssten WAS es zu sehen gibt. Sie scheinen bei Erklärung alle recht interessiert (oder heucheln es zumindest gut vor), geben sich allerdings selten wirklich Mühe, sich zu informieren und enden mit Sätzen wie „Du, da muss ich irgendwann mal mitkommen“ ohne jemals aufzutauchen. Ich habe mich nicht lange gewundert – auch nicht lange gefragt.

Wer heute Nacht hoch schaut , der sieht nichts tolles.

Zum Thema Lichtverschmutzung kann man sich sehr schön auf Wikipedia einige Informationen ansehen, das soll hier aber nicht Thema sein.

Wer heute Nacht außerhalb der Stadt hoch schaut, den erwartet noch immer schlicht beeindruckendes.

Vor den Genuss hat die Natur allerdings die Dunkeladaption gesetzt: Eine gute halbe Stunde sollte man sich schon Zeit nehmen, damit die tagsüber so treu dienenden Augen auch dem Nachthimmel etwas wirklich schönes entreißen können. Er hüllt sich schon ein wenig in Schweigen, der Sternenhimmel über uns, um uns. Diese zurückhaltende Form der Eleganz, die geheime Pracht ist es, die mich persönlich so fasziniert. Wer weiß WAS es zu sehen gibt, sieht jede Nacht wunderbares.

„Aber was schaust Du Dir den nun an ??“

Nun, um sich den Himmel wirklich mit nachhaltigem Genuss anschauen zu können bedarf es keiner teuren Materialschlacht – schon das blanke Auge ist genug.

Freiäugig, also „Oculo Inermi“, gibt es zunächst das Offensichtliche :

Der Mond ist nun nicht mein favorisiertes Beobachtungsziel, aber das macht Ihn ja nicht minder schön. Wer richtig hinschaut, erkennt schon mit bloßem Auge mehr als den „Mann im Mond“. Im asiatischen Kulturkreis ist es gar der „Hase im Mond“ - eine Kombination der dunklen und hellen Flächen der Oberfläche, hervorgerufen durch unterschiedlich starkes Reflektionsvermögen.

Große offene Sternhaufen wie die Plejaden oder die Hyjaden im Sternbild Stier, der Doppelhaufen im Perseus, die „Krippe“ in der recht unscheinbaren Konstellation Krebs...All das steht monatelang unbeachtet über uns und strahlt mit den Planeten um die Wette.

Die Planeten hat wohl jeder schon gesehen. Wenn auch meist, ohne es zu wissen.Die Venus als Morgen- oder Abendstern, Jupiter, Saturn und Mars sind an Intensität kaum zu überbieten und können auch bei widrigen Bedingungen noch gesehen werden. Die Verschiedenen Farben werden hier schon auffällig, auch variieren sie in Ihrer Helligkeit – gerade Venus hat Phasen, wie der Mond, welche aber zum bestimmen leider ein Teleskop voraussetzen.

Nordlichter in unseren (meinen... 50° Nord) Breiten eher selten, aber nicht ausgeschlossen sind das himmlische Feuerwerk das unsere Atmosphäre uns dann und wann schenkt und das uns immer wieder zeigt, wie wohl behütet wir von Ihr sind. Gefährliche kosmische Strahlung und der hier tobende Sonnenwind würden uns sonst mit aller Härte treffen...Naja – sie würden uns nicht treffen, da wir nicht DA wären * kicher *

Kometen flitzen ständig um die Sonne und somit auch über den uns sichtbaren Nachthimmel, einige schaffen es sogar hell genug zu werden, daß man sie auch mit bloßem Auge beobachten kann. Selten wird das Schauspiel aber derart beeindruckend, wie beispielsweise der Komet Hale-Bopp, der einige Wochen lang den halben nördlichen Himmel erleuchtete. Die schiere Länge der diffusen Schweife haut einen glatt um – besonders, wenn man mal nachliest wie lang LANG ist.

Die Milchstrasse ist unsere Heimatgalaxie. Wir sehen sie niemals zur Gänze und auch nicht immer gleich hell: Im Sommer prachtvoll, mit Ansätzen des riesigen Galaktischen Zentrums um die Sternbilder Skorpion und Schütze. Im Winter eher zurückhaltender, da wir hier aus unserer Heimat heraus in die Weiten des Alls schauen. Scheinbar dunkle Stellen markieren gigantische Gaswolken, die eines Tages (wir werden´s nicht mehr erleben) angeregt durch kosmische Schockwellen kollabieren und neue Sterne entstehen lassen können. Genau genommen waren auch wir einst Sternenstaub. Viele schaffen es aber schon nicht, den Unterschied zwischen Sonnensystem und Galaxie zu verarbeiten...man wird schnell unglaublich klein.

Meteore , „Sternschnuppen“ gibt es jede Nacht. Jüngst fragte mich eine flüchtige Bekannte, wann Sie Ihrer kleinen Tochter denn mal eine Sternschnuppe zeigen könne. Nichts einfacher als das: Ich zähle selbst in nicht sonderlich aktiven Beobachtungsnächten mindestens 10 rasende Kieselsteine, die aufgrund Ihrer schieren Geschwindigkeit die Luft um sich herum Ionisieren und zum Leuchten bringen. Wer sich zu den regelmäßig wiederkehrenden Meteorschauern mit Liege oder Isomatte unter das Sternenzelt legt und einfach nur in den Himmel blickt wird auf diese prächtigen Raketen nicht lange warten müssen.

Die Möglichkeiten sind beinahe Endlos...
Aber es kuckt ja wieder keiner.

Gruß und Klaren Himmel

Der Jan

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