Dienstag, 4. November 2014

Astronomie mit Fernglas und Rich-Field-Teleskopen

In der Edition Schwarz Weiß


 Das Buch das eigentlich ICH schreiben wollte.... ;)

Mit seinem Werk hat Alexander Kerste mir wirklich aus der Seele geschrieben, denn ein Buch wie er es abgeliefert hat gab es bis dahin noch nicht am deutschen Markt der 20XXer Jahre. Natürlich haben sich in grauer Vorzeit schon einige Autoren mit der Thematik befasst, aber ein aktuelles Werk - ganz besonders dieses Umfangs - suchte man bislang vergebens. Ich hatte gar selbst schon angefangen an einem....dem Vorliegenden nicht ganz unähnlichen...;) eigenen Buch zu arbeiten weil mir dieses Thema eben sehr am Herzen liegt und ich gerne weitergeben wollte was mir in Jahren der Recherche und Beobachtung an Wissen zueigen geworden war, doch nun war der Kollege etwas schneller und das ist wahrscheinlich auch ganz gut so ;)

Die Strukturierung des Buches ist exakt wie ich sie mir gewünscht habe. Nach Sternbildern sortiert, alphabetisch, damit man auch was findet! Zu jedem Sternbild erhält man Beobachtungstipps, direkt auf der nächsten Seite gibt es eine Übersichtskarte, die in vielen Fällen zur Aufsuche bereits genügen kann. Einen kleinen Sternatlas (den "Vizi" oder den Deepsky Reiseatlas) kann man immernoch hinzuziehen.

Übersichtlich, direkt mit rudimentärer Aufsuchkarte
Auf den ersten 40 Seiten gibt es zunächst die wichtigsten Punkte der Teleskop-, Fernglas- und Beobachtungstheorie, etwas Himmelsmechanik, Sonne, Mond, Planeten... was man eben so wissen sollte um nicht gleich eine Bauchlandung hinzulegen.

Von Doppelsternen, Veränderlichen, Sternhaufen in "offen" und "kugelig", über galaktische Nebel bis zu Galaxien weiß A. Kerste einiges zu berichten und die von ihm getroffene Auswahl überzeugt. Hoch erfreut war ich, daß er es nicht dabei belassen hat Phil Harringtons englischsprachigen Klassiker T.U.B.A. einfach zu übersetzen, wohlob er sich sicher davon inspirieren ließ, schließlich sind auch "Die Harringtons" als eigene Objekte im Buch beschrieben. Eigene Favoriten kamen hinzu, ein paar Objekte wurden weggelassen und die Beschreibungen sind nicht einfach abgepinnt, sondern wirklich über Jahre aus eigenen Beobachtungen entstanden, das merkt man.


auch in GEM gibt es Interessantes...

In ein paar Punkten bin ich mit dem Autor nicht ganz einig. Manche, von Ihm als "leicht" beschriebene Objekte, finde ich recht sportlich...andere, von Kerste in die Kategorie "schwierig" eingeordnet, wiederum habe ich mit einiger Leichtigkeit beobachten können. Konkret: Die Galaxie NGC 6946 in CEP läuft im Buch von Kerste als "auch im Großfernglas schwer", während ich keine Mühe habe diese im Pärchen mit dem offenen Haufen NGC 6939 im (montierten) 10x50 Glas zu beobachten. Auch ein Sternfreund hat dies mehrfach nachvollzogen, gar mit einem 7x35 hatte er Erfolg.

Den Hexenkopfnebel wiederum suche ich bislang völlig vergebens, egal in welchem Glas, habe mir diesen aber aufgrund der Klassifizierung im Buch ("im 10x50 sehr schwach" , im Teleskop nicht unbedingt deutlicher) mal zur "Chefsache" erklärt ;) Ich werde berichten! Ganz unrealistisch scheint die Sache ja nicht zu sein und ich werfe hier niemandem eine Fehlsichtung vor.
 
Schieben wir es mal auf im Detail unterschiedliche Ausrüstung und die Himmelsqualität am jeweiligen Standort - in den Alpen sieht man mehr als im Taunus und im Ruhrpott weniger als in der Heide... Hat der Autor sein Fernglas immer montiert benutzt oder sind alle Beobachtungen frei gehalten durchgeführt worden? Auch das entscheidet sehr über "gesehen" oder "nicht gesehen".


Im Anhang des Buches finden sich noch diverse Tabellen, sowie Bilder und Tipps zu jedem Mondalter. Man bekommt so einen kurzen Abriss der Schaustücke unseres Begleiters. Auch hier kann zusätzliches Kartenmaterial aber nicht schaden, wer mit mehr als 20-facher Vergrößerung auf den Trabanten hält wird schnell Fragen haben.

Als "Bällchengucker"-Buch versteht sich des Autors Werk aber auch nicht, in der Hauptsache ist der Ferne Himmel beschrieben und wer hier zugreift tut dies in aller Regel nicht um Krater zu zählen oder Wolkenbänder aufzulösen, sondern zum spazierengucken!


So lautet denn auch mein Fazit: Derzeit wohl DAS Spazierguckerbuch! Wer sich den Himmel gerne mit kleiner Vergrößerung erschließen will, sei es zum Genußgucken daheim und auf Reisen oder aber weil das Budget für eine größere Optik noch nicht reicht, der findet im 296 Seiten fassenden Buch von Alexander Kerste geballtes Wissen und jede Menge Tipps und Anregungen wie aus dem Fernglas und dem Kleinteleskop das Maximum herauszuholen ist.


Note 1! Kaufen! :)


Gruß und klaren Himmel

Der Jan

P.S. Ein Interview mit A. Kerste zur Entstehung des Buches gibt es hier zu lesen. "Wie hat der Dichter das gemeint..." hat mich schon in der Schule nicht recht fesseln können, hier geht es ja um ein eher technisches Werk, aber sympatisch scheint der Mensch Kerste allemal :)


P.P.S  Man sehe mir nach, dass für mich die Objektkunde und Praxistauglichkeit im Vordergrund stand, der Lesespaß und wie lange er euch erhalten bleibt war mir geflissentlich wurscht :D Lyrisches hatte ich hier ohnehin nicht erwartet. Bei mir liegt das Buch "zur Inspiration im Denkzimmer"  - lies: aufm Klo...^^

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